Header-rhw-management

Süßungsmittel: für den Genuss ohne Reue?

von | Nov. 21, 2014 | aktuelle_artikel, Neu, Wissen-Verpflegung

Die einen schwören darauf, die anderen lehnen sie rigoros ab. Seit es synthetische Süßungsmittel gibt, werden sie kontrovers diskutiert. Zu dem Thema „Süßungsmittel in aller Munde“ lud die DGE-Sektion Baden-Württemberg 2014 Experten aus Lehre und Praxis in die Universität Hohenheim ein, um Licht in die Debatte zu bringen.

„Das Verlangen nach Süßem ist dem Menschen in die Wiege gelegt.“ So brachte es bereits 1889 der französische Maler Jean Béraud auf den Punkt. „Süß“ signalisiert unserem Körper „Energie“ oder „genießbar“, erklärt der Neurophysiologe Heinz Breer, Professor an der Universität Hohenheim. Unsere Vorliebe für Süßes war lebensnotwendig, solange es keine Supermärkte gab, in denen Nahrung im Überfluss dicht an dicht in den Regalen gedrängt steht und wir uns nur entscheiden müssen, ob wir heute ein Croissant, eine Brezel oder ein Brötchen haben möchten.

Aber obwohl wir mit einer Vorliebe für den süßen Geschmack geboren werden, war „süß“, so wie wir es heute kennen, lange nur den privilegierten Gesellschaftsgruppen vorbehalten. Erst seit 1870 ist Zucker dank der Industrialisierung für die breite Masse erschwinglich geworden. Heute, kaum 150 Jahre später, können wir uns ein Leben ohne Eis, Limonaden und Kuchen kaum mehr vorstellen.

Die Wahrheit über Zucker
Ohne Zucker kann niemand überleben, stellt der Ernährungsmediziner Stephan C. Bischoff, Professor an der Universität Hohenheim, klar. Allein unser Gehirn verbrennt pro Tag 140 g Glucose. Das entspricht 14 Esslöffeln Zucker. Natürlich, so fügt der Experte hinzu, soll das keine Ermutigung sein, jeden Tag 14 Löffel Zucker zu sich zu nehmen. Lediglich 25 Gramm unseres Zuckerbedarfs sollten durch freie Zucker, wie Haushaltszucker, Milchzucker oder Fruchtzucker, gedeckt werden. Den Löwenanteil hingegen sollen komplexe Kohlenhydrate ausmachen, also Stärken, wie sie in Brot, Reis, oder Kartoffeln enthalten sind.

Diese Empfehlung einzuhalten, ist jedoch fast unmöglich, meint Biochemiker Lutz Graeve, Professor an der Universität Hohenheim, da man das Limit an freien Zuckern mit einem Glas Orangensaft (250 ml) bereits ausgeschöpft hätte. Ist das nicht ein bisschen übertrieben, mag man sich fragen. Und heißt das, man soll keine Früchte mehr essen?

Den täglichen Apfel zu verbieten, ist Unsinn, so Stephan C. Bischoff. In Früchten ist die Fructose in eine Matrix eingebunden, die verhindert, dass wir hohe Mengen Zucker aufnehmen können. Wie in allen Dingen, macht auch bei Zucker die Dosis das Gift. Problematisch sieht der Ernährungsmediziner da vor allem Softdrinks. Zucker in gelöster Form wirkt sich viel stärker auf den Insulinspiegel aus, als Zucker in Festform. Außerdem werden Softdrinks häufig mit freier Fructose gesüßt, weil sie süßer ist als herkömmlicher Haushaltszucker. Fructose kann der Körper allerdings nicht speichern, weshalb die Leber die Fructose in Fett umwandelt und anlagert. Es kommt zur Fettleber und Gewichtszunahme. Bei einem täglichen Konsum von einem Softdrink (360 Milliliter) steige daher das Risiko an Adipositas zu erkranken um 60 Prozent, so Bischoff.
Antonia Tiedt

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 12/2014

Foto: Südzucker

Weitere Beiträge

23. rhw-Hygieneforum 2025 – Jetzt anmelden!

23. rhw-Hygieneforum 2025 – Jetzt anmelden!

Am 22. Oktober 2025 findet das mittlerweile 23. rhw-Hygieneforum erneut als Online-Veranstaltung statt. Moderiert wird es von Robert Baumann, Chefredakteur von rhw management. Die Teilnehmenden erwartet ein spannender Tag voller...

mehr lesen
Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Immer wieder wünschen Sie sich, liebe rhw-Leserinnen, Erweiterungen oder die Originaltabellen aus den rhw-Artikeln. Diesem Wunsch kommen wir nun nach mit unserem "rhw-Werkzeugkoffer". Im rhw-Werkzeugkoffer befinden sich...

mehr lesen
Neue FOS Ernährung und Hauswirtschaft in Hessen

Neue FOS Ernährung und Hauswirtschaft in Hessen

Ab dem 1. August 2026 bietet die Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule einen neuen Bildungsgang an: die FOS Ernährung und Hauswirtschaft mit Schwerpunkt Ernährung. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die sich...

mehr lesen
Neue US-Ernährungsempfehlungen

Neue US-Ernährungsempfehlungen

Am 7. Januar 2026 haben die Gesundheitsbehörden der USA, nämlich das U.S. Department of Health & Human Services und das U.S. Department of Agriculture, ihre neuen US-Ernährungsempfehlungen veröffentlicht. Da die Empfehlungen...

mehr lesen
Bakterien und Viren: BfR-Kinderbuch in Englisch

Bakterien und Viren: BfR-Kinderbuch in Englisch

Lebensmittelsicherheit kinderleicht erklärt: Das BfR-Kinderbuch „Luis‘ und Mayas Abenteuer im Schrumpflabor: Auf Spurensuche in der Küche“ ist nun auch in englischer Sprache erhältlich. Nachdem die deutsche Version bereits...

mehr lesen
Steuerentlastung für Gastronomie

Steuerentlastung für Gastronomie

Vielerorts leidet die Gastronomie unter Umsatzeinbußen. Hohe Kosten für Energie, Miete und Lebensmittel führen zu steigenden Preisen, was viele Gäste abschreckt. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes setzten...

mehr lesen
Die neue rhw praxis 4/2025 ist da!

Die neue rhw praxis 4/2025 ist da!

Im aktuellen Schwerpunkt dreht sich alles um Hygiene und Lagerwirtschaft. Praxisnah und kompakt zeigt die neue rhw praxis, wie Einrichtungen in der Hauswirtschaft nachhaltiger, effizienter und kostensparender arbeiten können....

mehr lesen
Aktionswoche Hauswirtschaft im März 2026

Aktionswoche Hauswirtschaft im März 2026

Der Deutsche Hauswirtschaftsrat lädt zum dritten Mal zur bundesweiten Aktionswoche Hauswirtschaft ein! Unter dem Motto „Hauswirtschaft für (d)eine bessere Zukunft!“ richtet sich der Blick vom 16. bis 21. März 2026 auf die...

mehr lesen