Die Zahl der Studien zu Ultra-Processed Foods (UPF), also hochverarbeiteten Lebensmitteln, wächst rasant und die Ergebnisse sind beunruhigend.
Eine Verarbeitung von Lebensmitteln, das wissen wir in der Hauswirtschaft sehr gut, ist so alt wie die Menschheit selbst. Bei der aktuellen Diskussion geht es jedoch um eine Begrenzung von zu starker Bearbeitung.
„Ob Lebensmittel gesund oder ungesund sind, hängt von ihrem Nährstoffprofil ab, nicht allein von ihrem Verarbeitungsgrad“, sagte Prof. Dr. Jakob Linseisen, auf einer Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum Thema Ultra Processed Foods.
Hochverarbeite Lebensmittel: was sagt die Studienlage?
Beobachtungsstudien zeigen eindeutig, dass hochverarbeitete Lebensmittel in engem Zusammenhang mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen stehen – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten bis hin zu Diabetes, Depressionen und Adipositas. Ob es hier auch einen ursächlichen Zusammenhang gibt, können jedoch nur Interventionsstudien* zeigen.
Die bisher veröffentlichten Interventionsstudien ergaben, dass die Studienteilnehmer, die hochverarbeitete Lebensmittel aßen, deutlich mehr verzehrten, was eine Gewichtszunahme zur Folge hatte. Die weiche Textur der meisten hochverarbeiteten Lebensmittel führt zu einer hohen Konsumgeschwindigkeit und damit höheren Aufnahme. Der Kauvorgang ist oft so kurz, dass eine Sättigung nicht eintreten kann. „Kann es sein, dass die UPF einfach besser schmecken und deshalb davon mehr gegessen wird?“, mutmaßte Prof. Dr. Linseisen.
Spanier mit höchster Lebenserwartung
Vergleicht man die europäischen Länder, haben aktuell die Spanier die höchste Lebenserwartung – und essen am wenigsten unverarbeitete Lebensmittel. „Die Küche ist bekannt für frische und unverarbeitete Zutaten“, sagte Ernährungstherapeutin Dr. Claudia Laupert-Deick auf der DGE-Arbeitstagung. Allerdings könnten in diesem Zusammenhang auch andere Parameter eine Rolle spielen. So gehen Spanier viel zu Fuß, profitieren von einem günstigen Klima und essen auch häufig in Gemeinschaft.
Aktuell rücken auch Zusatzstoffe in den Blick: Das Forschungsprogramm ADDITIVES untersucht die Wirkung von Nitriten, künstlichen Süßstoffen, Emulgatoren und weiteren Stoffen, die in hoch verarbeiteten Lebensmitteln weit verbreitet sind. Erste Ergebnisse belegen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck.
Rolle der Gemeinschaftsverpflegung
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Gemeinschaftsverpflegung. „Hochverarbeitete Produkte heißen in der Gemeinschaftsverpflegung ‚High Convenience‘ und werden als Problemlösung zum Beispiel bei Personalmangel angeboten“, sagte Dr. Ernestine Tecklenburg auf der DGE-Arbeitstagung. Bisher gäbe es wenig Daten zum Einsatz der High Convenience.
Für die Kitaverpflegung zeigte eine Studie, dass überwiegend hochverarbeite Produkte in folgenden Produktgruppen gekauft wurden: Fischprodukte, Brot und Kleingebäck sowie Fleischersatzprodukte. Besonders das Preis-Leistungsverhältnis und die gute Verfügbarkeit wurden geschätzt. „Hier ist der Kostendruck deutlich spürbar“, so Dr. Tecklenburg.
Alexandra Höß
Foto: Pixabay
Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen rhw management-Ausgabe 1-2/2026.
Kennen Sie schon unseren Facebook-Auftritt ?
Jede Woche viele weitere, wichtige und unterhaltsame News und Austausch mit Kolleginnen aus der Hauswirtschaft!
Sie haben berufliche Fragen aus Ihrer Praxis und brauchen eine Lösung? Das rhw-Expertenteam hilft Ihnen kostenlos, wenn Sie Abonnentin der rhw management sind. Sie erreichen das Team per E-Mail an die Redaktion (siehe Kontakt) – wir versuchen, Ihre Anfrage innerhalb von 14 Tagen beantworten zu lassen! Danke!
Das könnte Sie auch interessieren: Neue US-Ernährungsempfehlungen
——————————————————————————————————————————-
Besuchen Sie Fachmedien direkt – Ihr Onlineshop für Weiterbildung und Fachliteratur
Fachbücher, Zeitschriften und Weiterbildungen für die Hauswirtschaft.
Jetzt entdecken auf fachmedien-direkt.de












