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Reinigungsdienste stehen zunehmend im Fokus

von | März 9, 2017 | Neu, Wissen-Reinigung

Reinigungsdienste in medizinischen Einrichtungen stehen zunehmend im Fokus, sowohl in den Medien als auch bei Überprüfungen. Aktuell werden hierfür DIN-Normen erarbeitet. Informationen dazu von Ludwig C. Weber, Buchautor von „Reinigungsdienste und Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen“.

Seit über zehn Jahren beschäftigt sich Ludwig C. Weber mit Reinigungsdiensten – Fokus war und ist infektionspräventives Arbeiten. „Da es bis dato kein Buch gab, welches sich intensiv mit der Tätigkeit von Reinigungsdiensten aus infektionspräventiver Sicht befasst, habe ich mich entschlossen, darüber ein Buch zu schreiben“, so Weber.

Das Vorwort zu diesem Fachbuch hat Prof. Franz Daschner, einer der führenden Umwelt- und Hygienemediziner Deutschlands, geschrieben. Ludwig C. Weber kennt ihn schon über 40 Jahre und nennt ihn seinen Mentor.

Die erste Auflage des Buches erschien im Oktober 2013. Über Jahre hinweg hatte Ludwig C. Weber bundesweit Kliniken, Rehakliniken, Seniorenheime und Praxen für ambulantes Operieren betreut. Im Rahmen einer solchen Betreuung sind auch Begehungen durchzuführen. Hierbei ist Weber zunehmend die unterschätzte Tätigkeit der Reinigungsdienste aufgefallen. Es gebe unzählige Empfehlungen und Vorschriften, wie unter hygienischen Gesichtspunkten beispielsweise ein Venen- oder Blasenkatheter zu legen und zu versorgen ist, wie sich der Chirurg vor der OP die Hände zu desinfizieren hat oder was im Umgang mit Patienten zu beachten ist, die eine infektiöse Erkrankung haben.

Diese Empfehlungen und Vorschriften sind für die Berufsgruppen verfasst worden, die direkt mit dem Patienten Kontakt haben, ihn therapieren und pflegen. Ergänzend dazu gibt es ebenso viele verbindliche Anweisungen, wie in welcher Abteilung eines Krankenhauses was, wann, womit zu desinfizieren ist.

Reinigung und Desinfektion: gründlich unterschätzt

Im Gegensatz dazu war in der Fachliteratur der Institutionen (Infektionsschutzgesetz des RKI, in den TRBA 250), die sich mit Infektionsverhütung beschäftigen, sehr wenig Konkretes für Berufsgruppen zu finden, die nicht direkt, aber in unmittelbarer Umgebung des Patienten tätig sind wie beispielsweise der Reinigungsdienst. Dabei spielt sie eine bedeutende Rolle im Gesamtgefüge der Infektionsverhütung.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) war laut Weber die erste Institution, die dieses Thema direkt und mit Nachdruck benannt hat. Nach einer Umfrage der DGKH 2013 stellte sie klar, dass „im Sinne der Bündelstrategie Hausreinigung und Flächendesinfektion neben der Händedesinfektion, Instrumentenaufbereitung und persönlichen Schutzmaßnahmen, Grundpfeiler der Basishygiene sind, ohne die die Patientensicherheit nicht zu gewährleisten ist“.

Eine weitere starke Aussage der DGKH war: „Der sachgerechten Reinigung und Desinfektion kommt aus infektionsprophylaktischen Gründen ein erheblicher und derzeit absolut unterschätzter Stellenwert zu.“ Die DGKH forderte vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse nachdrücklich eine Änderung der Risikoeinschätzung zur Hausreinigung und Flächendesinfektion. Ohne eine Verbesserung in der desinfizierenden Reinigung werde es nicht gelingen, die Bedrohung durch antibiotikaresistente Erreger unter Kontrolle zu bringen.

Ergänzungen wurden notwendig

Bereits Ende November 2016 ist die zweite Auflage des Fachbuches von Ludwig C. Weber erschienen. Dort beschreibt der Autor, inwieweit das Krankenhausstrukturgesetz sich auf den Reinigungsdienst auswirken kann. Dabei kommt auch zur Sprache, welche Bedingungen Fußbodenscheuer-Reinigungsmaschinen erfüllen sollten. Stichwort: Bildung von Biofilmen im Frischwassertank. Diese Frischwassertanks sind in der Regel nicht zugänglich, um eine manuelle Reinigung und Desinfektion des Tanks vorzunehmen. Ein weiteres Thema befasst sich damit, wie der Reinigungsdienst im Notfallplan/Pandemieplan einer Klinik aufgestellt ist. Kritisch betrachtet er das Thema „Befüllen der Eimer aus dezentralen Desinfektionsmittelspendeanlagen“ für die Desinfektion von Kontaktflächen zum Beispiel in Bereichen mit immunsupprimierten Patienten. Eine der entscheidenden Fragen: Sollten die Reinigungskräfte nicht ihr Wasser an Wasserhähnen entnehmen, an denen Bakterienfilter vorgeschaltet sind?

Peter Strauch/RoB

Buchtipp
Weber, Ludwig C.: Reinigungsdienste und Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Leitfaden für Hygieneverantwortliche, 139 Seiten, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage 2017, Springer Verlag Heidelberg, ISBN 978-3-642-37296-4, 39,99 Euro. Die „Fibel“ für Hygienefachkräfte und Geschäftsführer, die für die Auswahl und Kontrolle des Reinigungspersonals verantwortlich sind.
www.fachbuchdirekt.de

Mehr zum Thema lesen Sie in rhw praxis 1/2017

Foto: privat

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