Auf der Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft am 27. und 28. April 2026 in Bamberg wurde unter dem Motto „Hauswirtschaft explore – vernetzt & mit KI für eine nachhaltige Zukunft“ deutlich: Die Profession steht an einem Wendepunkt. Mehr als 120 Teilnehmer*innen und 14 Austeller diskutierten, wie Zusammenarbeit, Netzwerke und klare berufliche Profile die Hauswirtschaft nachhaltig stärken können.
Besondere Aufmerksamkeit bei der Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft 2026 in Bamberg erhielt der Beitrag der Schirmherrin der Veranstaltung, Prof. Dr. Ursula Münch von der Akademie für politische Bildung Tutzing. In ihrem Impuls unterstrich die Politikwissenschaftlerin die gesellschaftliche und politische Bedeutung der Hauswirtschaft.
Politische Relevanz der Hauswirtschaft betont
„Hauswirtschaft hat einen klaren Gemeinwohlbezug und damit eine hohe gesellschaftliche Relevanz“, betonte München. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen – von demografischem Wandel bis hin zu Fragen der Versorgungssicherheit – sei die Expertise der Profession auch für politische Entscheidungsträger von großem Wert.
Zugleich richtete sie einen klaren Appell an die Teilnehmenden: „Bieten Sie regelmäßig Ihre Expertise als Ressource für politische Entscheidungen an.“ Die Hauswirtschaft müsse ihre Kompetenzen aktiver in politische Prozesse einbringen und sich als verlässliche Partnerin positionieren.
Zusammenspiel der Professionen
Ein Thema war die Personalbemessung in der Langzeitpflege (PeBeM). Die Ergebnisse aus Modellprojekten machen laut Referentin Karla Kämmer klar: „Gute Altenpflege entsteht nur im Zusammenspiel der Professionen.“ Besonders die Hauswirtschaft rücke dabei stärker in den Fokus, betonte Martina Feulner von H wie Hauswirtschaft.
Im Zentrum steht die kompetenz- und bewohnendenorientierte Arbeitsgestaltung (KubA), die auf gemeinsame Tourenplanung, kompetenzgerechten Personaleinsatz und klar definierte Verantwortlichkeiten setzt. „Wenn wir Aufgaben nach Kompetenzen statt nach Berufsgrenzen verteilen, gewinnen alle – vor allem die Bewohner*innen“, so Kämmer. Praxisbeispiele belegten, dass diese Ansätze nicht nur die Versorgungssicherheit erhöhen, sondern auch die Arbeitsbedingungen verbessern.
Netzwerke als Rückgrat der Profession
Einen weiteren Schwerpunkt setzte der Vortrag von Christa Anna Fischer zum beruflichen Netzwerken. Ihre zentrale Botschaft: „Netzwerke sind das Rückgrat professioneller Hauswirtschaft.“ Ziel ihres Beitrags war es, Nutzen, Formen und konkrete Praxis des Netzwerkens greifbar zu machen.
Fischer zeigte auf, dass Führungskräfte in der Hauswirtschaft in besonderem Maße von stabilen Netzwerken profitieren. „Netzwerke eröffnen schnellen Zugang zu Erfahrungswissen, fördern Innovationen und entlasten im Führungsalltag“, erklärte sie. Gerade angesichts steigender Anforderungen an Hygiene, Nachhaltigkeit und Prozessqualität sei kollegialer Austausch unverzichtbar.
Drei Ebenen des Netzwerkens
Der Vortrag auf der Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft 2026 in Bamberg strukturierte Netzwerke in drei Ebenen: individuelle Kontakte, institutionelle Kooperationen und Verbandsnetzwerke. Während persönliche Netzwerke den direkten Austausch fördern, ermöglichen institutionelle Zusammenschlüsse gemeinsame Projekte und Qualitätsentwicklung.
Besonders hob Fischer die Rolle der Verbände hervor: „Hier liegt enormes Potenzial – für Interessenvertretung, Fachkräftegewinnung und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung.“ Interaktive Formate wie die Netzwerke des Berufsverbandes Hauswirtschaft machten das Thema für die Teilnehmenden unmittelbar erfahrbar. Am 3. Juli 2026 wird es die Gründung und erste Online-Veranstaltung eines neues Netzwerkes Reinigung (mit Angelika Konrad und Inke Kellerhoff) geben.
Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft 2026: Sichtbarkeit als gemeinsames Ziel
Dass die Hauswirtschaft trotz ihrer zentralen Rolle oft unsichtbar bleibt, griff auch Martina Feulner in ihrem Beitrag auf. „Es fehlen klare Vorstellungen über Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche unserer Profession“, stellte sie fest.
Ein möglicher Weg zu mehr Sichtbarkeit seien berufs- und standesrechtliche Regelungen. Diese könnten nicht nur ein klares Profil schaffen, sondern auch Qualitätsstandards und berufliche Anerkennung stärken. „Wir brauchen ein abgestimmtes, verbändeübergreifendes Verständnis unseres Berufsbildes“, forderte Feulner. Der Blick in die Pflege zeige, wie wichtig solche Klarheit für die Positionierung einer Profession sei.
Podiumsdiskussion: Berufsrecht und Vernetzung im Fokus
Ein weiterer Höhepunkt der Jahrestagung des Berufsverbandes Hauswirtschaft in Bamberg war die einstündige Podiumsdiskussion zum Thema „Berufsrecht & Vernetzung“. Vertreterinnen zentraler Organisationen der Hauswirtschaft diskutierten gemeinsam mit dem Moderator Robert Baumann von rhw management, wie sich die Profession künftig stärker positionieren und strukturieren kann.
Auf dem Podium vertreten waren Dagmar Czan (Vize-Präsidentin des DHWiR), Marlies Dahme (Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft), Anja Köchermann (Vorsitzende der LAG Hauswirtschaft Niedersachsen), Judith Regler-Keitel (Leiterin KoHW Bayern), Marga Schmitt (Vorstandsmitglied MdH) sowie Nadia Bouraoui-Gretter, Präsidentin des Berufsverbandes Hauswirtschaft.
Klare Strukturen für mehr Sichtbarkeit
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie berufs- und standesrechtliche Regelungen zur Profilbildung beitragen können. Einigkeit bestand darin, dass die Hauswirtschaft ihre Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche klarer definieren müsse, um in interprofessionellen Kontexten stärker wahrgenommen zu werden. Es wurde beschlossen, daran gemeinsam zu arbeiten und die schon vorhandenen Grundlagen zu nutzen!
Robert Baumann
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