Mit einer bewegenden Feier im Stuttgarter Geno-Haus wurde Ursula Schukraft am 16. Juni 2026 nach mehr als 24 Jahren bei der Diakonie Württemberg verabschiedet. Rund 70 Gäste würdigten ihr außergewöhnliches Engagement für die Professionalisierung und gesellschaftliche Anerkennung der Hauswirtschaft. Auch im Ruhestand ab 2027 wird sie der Branche in wichtigen ehrenamtlichen Funktionen erhalten bleiben.
Fast zehn Laudatorinnen und Laudatoren zeichneten bei der Verabschiedungsfeier im Geno-Haus Stuttgart das Bild einer Führungspersönlichkeit, die die Hauswirtschaft in Baden-Württemberg und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat. Besonders eindrucksvoll beschrieb Daniela Katz-Raible, ehemalige Mitarbeiterin und heute stellvertretende Schuldirektorin der Akademie Kupferzell, Schukraft als „Spreaderin im positiven Sinne“.
Die Pusteblume als Sinnbild
Katz-Raible verglich Ursula Schukraft mit einer Pusteblume, deren Samen überall dort aufgehen, wo Menschen Mut, Überzeugungskraft und Unterstützung benötigen. Dabei erinnerte sie an Schukrafts Überzeugung, dass selbst Löwenzahn auf Beton wachsen könne – ein Bild für Beharrlichkeit, Optimismus und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen Veränderungen anzustoßen.
Viele Redner betonten, dass Schukraft nie akzeptiert habe, die Hauswirtschaft kleinzureden. Ihr Leitsatz lautete stets: „Wenn wir nicht selbst für die Hauswirtschaft sorgen, dann macht es keiner.“
Hauswirtschaft sichtbar machen und politisch verankern
Ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit war die konsequente politische Vernetzung der Hauswirtschaft. Ursula Schukraft suchte immer wieder den Dialog mit Entscheidungsträgern und verschaffte dem Berufsfeld Gehör auf Landes- und Bundesebene.
Dabei führte sie Gespräche mit späteren Spitzenpolitikerinnen und -politikern wie Cem Özdemir, Bundesministerin Bärbel Bas sowie Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha. Letzterer wurde bei einem Besuch sogar spontan in eine Improvisationstheater-Aufführung eingebunden – ein Beispiel für Schukrafts kreative und praxisnahe Arbeitsweise.
Hartnäckigkeit als Erfolgsfaktor
Wer mit Ursula Schukraft zusammenarbeitete, erlebte eine Frau mit großer Ausdauer. Um die richtigen Ansprechpartner für ihre Anliegen zu erreichen, wartete sie notfalls stundenlang im Landtag auf ein entscheidendes Gespräch. Diese Beharrlichkeit führte dazu, dass Themen der Hauswirtschaft zunehmend auf politischer Ebene wahrgenommen wurden.
Projekte mit nachhaltiger Wirkung
Zu den bedeutendsten Initiativen ihrer Laufbahn zählt das Projekt „oikos“ sowie dessen Weiterentwicklung „oikos plus“. Ziel war es, Menschen mit internationaler Herkunft neue berufliche Perspektiven in der Hauswirtschaft zu eröffnen.
Viele Teilnehmende fanden über diese Programme den Weg in Qualifizierungen und Weiterbildungen. Einige besuchen inzwischen sogar Kurse zur hauswirtschaftlichen Betriebsleitung. Damit schuf Schukraft mit ihrem Team nicht nur praktische Lösungen für den Fachkräftemangel, sondern stärkte zugleich die Integration und berufliche Entwicklung zahlreicher Menschen.

Mehr als zwei Jahrzehnte prägte Ursula Schukraft die Arbeit der Hauswirtschaft innerhalb der Diakonie Württemberg. In dieser Zeit initiierte sie über 80 Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft Württemberg, die bereits 1979 gegründet wurde. Rechts im Bild ihr Nachfolger ab 2027: Gunther Müller.
Ihrem Nachfolger Gunther Müller, der seit rund eineinhalb Jahren an ihrer Seite arbeitet und die Verantwortung ab 2027 übernehmen wird, gab sie einen einfachen, aber prägnanten Rat mit auf den Weg: Wer aufmerksam verfolge, welche Themen in der Arbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft diskutiert werden, verfüge über eine hervorragende Startrampe für die zukünftige Arbeit.
Als Vorstandsmitglied der Diakonie Württemberg brachte der Professor in spe, Dr. Kornelius Knapp (Foto) die Bedeutung ihres Wirkens auf den Punkt: „Gute Geschichten erkennt man daran, dass viele daran mitgewirkt haben wollen.“ Genau dies sei bei Ursula Schukraft der Fall. Er überreichte ihr das Goldene Kronenkreuz der Diakonie für ihre Verdienste.
Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Diakonie bleibt sie der Branche erhalten. Als Präsidentin des Deutschen Hauswirtschaftsrates, Kolumnistin der Fachzeitschrift rhw management sowie als Mitglied der AG Hauswirtschaft Baden-Württemberg und der LAG Hauswirtschaft Baden-Württemberg wird sie weiterhin wichtige Impulse für die Zukunft der Hauswirtschaft setzen.
Text: Robert Baumann
Fotos: Robert Baumann
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