Header-rhw-management
Logo des Fachmagazins rhw management

Demenz-WG und Hauswirtschaft

von rbaumann | Juni 17, 2026 | Neu

Die Nachfrage nach Demenz-Wohngemeinschaften ist in den letzten Jahren stark gestiegen. rhw praxis befragte Dr. Christian Weiß, Geschäftsführer der Sozialteam-Gruppe aus Regensburg, wie die Wohngemeinschaften des Trägers funktionieren und auch, wie die Hauswirtschaft dort organisiert ist. Demenz-WG und Hauswirtschaft gehören zusammen.

Was waren die Gründe dafür, dass Sozialteam sich entschieden hat, vor einigen Jahren Demenz-Wohngemeinschaften als zusätzliche Versorgungsform in ihren Senioren-Servicehäusern einzuführen?

Wenn man flächendeckende Versorgung sicherstellen will, wird das nicht rein mit Pflegeheimen möglich, sondern man muss auch in kleineren Einheiten denken. Ebenso wichtig ist eine Versorgungsform, die zwischen der eigenen Häuslichkeit, also vielleicht dem Einfamilienhaus, und dem Pflegeheimzimmer liegt. Der Knackpunkt ist hier das Thema Demenz. Es wird viele technische Errungenschaften geben, wie man mit körperlicher Pflegebedürftigkeit umgehen kann. Aber das Thema Demenz wird immer mit Menschen versorgt werden müssen und auch in kleineren Einheiten.

Daher sind wir auf die Idee gekommen, in unseren Senioren-Servicehäusern neben den Appartements im Service-Wohnen oder einer Tagespflege auch Demenz-WGs anzubieten. Unsere Wohngemeinschaften werden so nicht für sich allein organisiert, sondern befinden sich immer in einem größeren Gebäudekomplex zusammen mit den anderen Angeboten. Im ostbayerischen Raum haben wir mittlerweile acht Wohngemeinschaften mit rund 100 Plätzen. Unser Fokus liegt dabei auf der Zielgruppe der Menschen mit Demenz.

Wie ist die Nachfrage nach dieser alternativen Wohnform?

Die Nachfrage nach den Wohngemeinschaften ist derzeit sehr hoch. Allerdings, wenn man in eine Region kommt, in der diese Art der Versorgung neu ist, müssen wir diese erst einmal bekannt machen. Unsere Wohngemeinschaften sind keine standardisierte Versorgungsform und dadurch zunächst erklärungswürdig. Außerdem sind die WGs nicht in einem Pflegeheimnavigator oder anderen Suchportalen auffindbar.

Aber es gibt auch eine ganz große Gruppe von Angehörigen, die aktiv nach einem solchen Angebot suchen und eine alternative und familiäre Versorgungsform für ihre demenzkranken Angehörigen wünschen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Regionalität. Das Argument, dass wir eine überschaubare Größe für zwölf Menschen bieten und auch in kleineren Kommunen tätig sind, überzeugt dann viele Angehörige.

Wie sind die Demenz-WGs organisiert?

Wichtig ist, wir haben nur selbstgesteuerte und keine trägergesteuerten Wohngemeinschaften. Hier bilden die Angehörigen ein „Gremium der Selbstbestimmung“. Dieses Gremium beauftragt den Leistungsumfang für die WG. Bei demenzkranken Bewohnern ist dann oftmals der Wunsch, dass der Pflegedienst 24 Stunden mit einer Präsenzkraft vor Ort ist. Die Präsenzkräfte organisieren das WG-Leben und sorgen für eine gute Tagesstruktur. Zusätzlich wird Pflege und Hauswirtschaft nach Wunsch über unseren ambulanten Dienst organisiert. Die WG ist dann Teil unserer ambulanten Touren.

Und welche Rolle nimmt die Hauswirtschaft bei Demenz-WG in der Versorgung ein?

Ein großer Teil der Hauswirtschaft gehört zur Tagesstruktur und wird von Präsenzkräften übernommen. Ein klassisches Beispiel ist die Zubereitung von Mahlzeiten. Der Nachtdienst übernimmt zusätzlich hauswirtschaftliche Sonderaufgaben wie zum Beispiel Vorhänge zu waschen oder Hilfsmittel zu reinigen.

Im Bereich Hauswirtschaft kann man sagen, dass wir in all unseren Angebotsformen sehr individuell arbeiten. Wir profitieren hier von unseren Erfahrungen bei der Arbeit mit psychisch-kranken und suchtkranken Menschen oder auch unseren stationären Pflegeeinrichtungen, die wir nach dem Hausgemeinschaftskonzept organisiert haben. Dort haben wir keine Großküchen, sondern arbeiten mit Küchen auf den Stockwerken.

Wie sind Reinigung und Wäschepflege in der WG geregelt?

Neben unsere ambulanten Pflegekräften, die in die WG kommen und die individuellen Pflegeleistungen erbringen, gibt es bei uns im ambulanten Bereich auch eine Hauswirtschaftstour. Die Mitarbeitenden fahren auch die Wohngemeinschaften an und reinigen die Zimmer, wenn dies gewünscht ist, und sie übernehmen die Reinigung der Gemeinschaftsflächen. Das kann ganz normal ja nach Pflegegrad über die Pflegekassen abgerechnet werden. Die Angehörigen könnten natürlich auch selbst reinigen und so Kosten sparen. Das ist jedoch in keiner unserer acht Wohngemeinschaften der Fall.

Die Thema Wäschepflege ist sehr individuell geregelt. Viele Angehörigen waschen die Wäsche selbst bei sich zuhause. Und wir haben einen Wäscheservice – organisiert durch einen Dienstleister. Auch diesen können WG-Bewohner nutzen.

Interview: Alexandra Höß

Fotos: Sozialteam

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen rhw-praxis-Ausgabe 2/2026.

Kennen Sie schon unseren Facebook-Auftritt?

Jede Woche viele weitere, wichtige und unterhaltsame News und Austausch mit Kolleginnen aus der Hauswirtschaft!

Sie haben berufliche Fragen aus Ihrer Praxis und brauchen eine Lösung? Das rhw-Expertenteam hilft Ihnen kostenlos, wenn Sie Abonnentin der rhw management sind. Sie erreichen das Team per E-Mail an die Redaktion (siehe Kontakt) - wir versuchen, Ihre Anfrage innerhalb von 14 Tagen beantworten zu lassen!

Danke!


Besuchen Sie Fachmedien direkt – Ihr Onlineshop für Weiterbildung und Fachliteratur
Fachbücher, Zeitschriften und Weiterbildungen für die Hauswirtschaft.

Jetzt entdecken auf fachmedien-direkt.de

fachbuecher-hauswirtschaft-shop

Über den Autor

rbaumann

rbaumann

Weitere Beiträge

Verbände kritisieren PNOG

Verbände kritisieren PNOG

Die geplanten Regelungen des Pflege-Neuausrichtungs- und Organisationsgesetzes (PNOG) stoßen bei Fachverbänden auf deutliche Kritik. Verbände kritisieren das PNOG. Sowohl der Deutsche Verband der Leitungskräfte der Alten- und...

mehr lesen...
Filmkritik: „Ich verstehe Ihren Unmut“

Filmkritik: „Ich verstehe Ihren Unmut“

Mit "Ich verstehe Ihren Unmut" legt der junge Münchner Regisseur Kilian Armando Friedrich ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt vor, das den Arbeitsalltag von Reinigungskräften und Objektleitungen in den Mittelpunkt rückt....

mehr lesen...
Muss der Hautschutzplan freigegeben werden?

Muss der Hautschutzplan freigegeben werden?

Uns beschäftigt das Thema Hautschutzplan – darf ich diesen selbst erstellen für den Bereich Hauswirtschaft und Wäscherei? Oder muss das eine externe Hygienefachkraft freigeben? Antwort von Dr. Dieter Bödeker, Referent beim 24....

mehr lesen...