Der Berufsverband Hauswirtschaft fordert 2026 mehr politische Anerkennung, bessere Finanzierung und verbindliche Standards für eine starke, nachhaltige und zukunftssichere Versorgung für diesen systemrelevanten Beruf Hauswirtschaft.
1. Ausgangslage – Hauswirtschaft ist systemrelevant und politisch unterschätzt
Deutschland diskutiert über Pflege, Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit und soziale Sicherheit.
Was dabei konsequent übersehen wird: Hauswirtschaft ist die Grundlage all dieser Systeme.
Hauswirtschaft organisiert Versorgung, sichert Hygiene, gestaltet Lebensqualität und ermöglicht Teilhabe – jeden Tag, in allen Lebensbereichen.
Und trotzdem gilt, sie ist:
- unterfinanziert.
- unterbewertet.
- politisch unterrepräsentiert.
Das ist nicht nur ein strukturelles Problem – das ist ein wachsendes Risiko für die Versorgungssicherheit in Deutschland.
Die Jahrestagung 2026 hat deutlich gemacht:
- Hauswirtschaft ist ein systemrelevanter Sektor mit Zukunftsverantwortung.
- Sie ist ein zentrales Handlungsfeld für Nachhaltigkeit, Gesundheit und Ressourcenschonung.
- Gleichzeitig fehlt es an Sichtbarkeit, Wertschätzung, Fachkräften, verbindlichen Standards und politischer Anerkennung.
2. Politische Bewertung – Vom „Nice-to-have“ zur Systemfrage
Das Berufsbild wird häufig als einfache Unterstützungstätigkeit betrachtet. Das verkennt ihre tatsächliche Funktion. Dabei ist Hauswirtschaft eine interdisziplinäre Profession. Sie verbindet Planung, Technik, Digitalisierung, Naturwissenschaften, Nachhaltigkeit, Versorgung, Ernährung, Reinigung, Textilpflege und Management.
Denn Hauswirtschaft entscheidet über:
- Hygiene und Infektionsschutz
- Ernährung und Gesundheit
- Energie- und Ressourceneinsatz
- Struktur und Stabilität im Alltag
Das ist keine Nebenleistung. Das ist Daseinsvorsorge und Grundlage funktionierender Versorgungssysteme. Ohne Hauswirtschaft gibt es keine Versorgungssicherheit.
Bereits heute zeigt sich:
- Einrichtungen finden keine hauswirtschaftlichen Fachkräfte.
- Aufgaben werden verschoben oder fachfremd erledigt.
- Qualität sinkt – oft unbemerkt, aber mit langfristigen Folgen.
Besonders betroffen sind Altenpflege, ambulante Versorgung, Eingliederungshilfe und Gemeinschaftsverpflegung.
Wenn Hauswirtschaft weiter strukturell geschwächt wird, wird Versorgung in Deutschland nicht mehr verlässlich aufrechterhalten werden können.
Vernetzung für eine funktionierende Versorgung
Wenn Hauswirtschaft gesellschaftlich wirksam sein will, muss sie sich stärker als gemeinwohlorientierte Profession positionieren. Dazu braucht es strategische Partnerschaften mit Politik, Trägern, Verbänden, Wissenschaft sowie den Bereichen Pflege, Betreuung, Ernährung, Reinigung, Bildung und Gesundheitswesen.
Versorgung funktioniert nur im Zusammenspiel von:
- Pflege
- Betreuung
- Hauswirtschaft
Doch genau hier fehlt es an klaren Strukturen, Rollen und Anerkennung.
Hauswirtschaft muss als gleichwertige Profession anerkannt und strukturell eingebunden werden.
3. Politische Kernforderungen
3.1 Berufsordnung schaffen – Profession stärken
Hauswirtschaft braucht endlich das, was andere Professionen längst haben.
Unsere Forderungen:
- ein bundesweit abgestimmtes Berufsrecht
- ein klares Professionsprofil
- verbindliche Standards und Verantwortlichkeiten
Ziel: rechtliche Anerkennung und Gleichstellung
3.2 Hauswirtschaft in der Daseinsvorsorge verankern
Hauswirtschaft ist ein zentraler Bestandteil funktionierender Versorgungssysteme.
Unsere Forderungen:
- Verankerung in der Sozialgesetzgebung
- verpflichtende Einbindung in Pflege- und Betreuungskonzepte
- eine verlässliche Finanzierung hauswirtschaftlicher Leistungen
Ziel: Versorgungssicherheit dauerhaft gewährleisten
3.3 Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) aktiv gestalten
Künstliche Intelligenz ersetzt keine Hauswirtschaft, aber sie verändert, wie hauswirtschaftliche Arbeit organisiert, geplant und weiterentwickelt wird.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob Künstliche Intelligenz kommt, sondern ob die Hauswirtschaft diese Entwicklung aktiv mitgestaltet. Es braucht Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien, damit Effizienzgewinne mit einer Aufwertung der Profession einhergehen.
Unsere Forderungen:
- Förderprogramme für digitale Transformation einrichten und erweitern
- Entwicklung praxisnaher KI-Anwendungen für hauswirtschaftliche Kernbereiche fördern
Ziel: Effizienz steigern, Qualität sichern und Fachkräfte entlasten
4. Strukturelle Unterbewertung beenden
Die Hauswirtschaft ist überwiegend weiblich geprägt und wird strukturell unterbewertet.
Das hat Konsequenzen:
- geringe Bezahlung
- begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten
- erhöhtes Risiko von Altersarmut
Es gilt: Gleichstellung durch Aufwertung sichern.
Die Forderungen des Berufsverbandes Hauswirtschaft sind deshalb:
- gleichwertige Bezahlung für gleichwertige Arbeit
- bessere Karriereperspektiven
- stärkere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- eine klare gesellschaftliche Anerkennung der Profession
Ziel: Geschlechtergerechtigkeit und Fachkräftesicherung
Hauswirtschaft ist:
- Teil der kritischen Infrastruktur des Alltags
- ein zentraler Faktor für Resilienz und Nachhaltigkeit
- unverzichtbar für Pflege, Gesundheit und soziale Stabilität
Und trotzdem fehlt ihr die politische Priorität. "Das können wir uns nicht länger leisten", heißt es aus dem Präsidium des Berufsverbandes Hauswirtschaft.
Appell: Jetzt handeln, bevor Versorgungslücken entstehen!
Es gehe dabei nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um einen strukturellen Paradigmenwechsel:
Weg von der unsichtbaren Dienstleistung – hin zur anerkannten Schlüsselprofession.
Foto: Meisterbriefverleihung in Bayern 2024 (Foto: StmELF Bayern)
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