rhw-management-hauswirtschaft-3-2024

„Raus aus dem schwarz-grau-melierten Arbeitsmarkt!“

Bei einer Online-Tagung zur Zwischenbilanz des PQHD Fulda in Hannover am 20. April 2021 wurde deutlich, wie bedeutsam haushaltsnahe Dienstleistungen gerade auch in der Corona-Pandemie sein können.

Die Gründerin des Kompetenzzentrum Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen (PQHD), Prof. em. Dr. Uta Meier-Gräwe (Foto: Uni Gießen) stellte in ihrem Vortrag klar, dass es wichtig ist, dass Frauen ihre Teilzeit erhöhen, nach der Geburt früher in den Beruf zurückzukehren und dadurch mehr Erwerbsjahre können. All dies sei möglich durch Gutschein-Modelle für haushaltsnahe Dienstleistungen, wie sie schon 2004 in Belgien (unter dem Namen Titre Service Schecks) eingeführt wurden.

Eine Erwerbssicherheit soll es allerdings auch für die Mitarbeiter*innen der Dienstleister selbst geben, „denn Minijobs bedeuten auch Minirenten“, sagte Meier-Gräwe. „Qualifizieren, qualifizieren, qualifizieren“, nennt sie das Motto für die nächsten Monate.

Wenn im September 2021 der Bundestag neu gewählt wird, dann ist es wichtig, bis dahin die Wahlprüfsteine der Parteien zu begleiten und die in dieser Legislatur wohl nicht mehr zu erfüllende Koalitionsaussage, dass Gutscheine eingeführt werden, zumindest für die nächste Regierung mitzunehmen.

Auch 2025 werden Frauen nur 60 Prozent des Einkommens der Männer haben, und 60 Prozent der Frauen haben Angst vor Altersarmut ergab jüngst eine Brigitte-Studie. Meier-Gräwe verglich die Ziele beim Klimaschutz mit denen bei der unbezahlten Sorgearbeit, die Frauen immer noch deutlich häufiger ausführten. „Beim Klima und bei der Care-Arbeit werden die wahren Kosten für die Gesellschaft externalisiert“, so Meier-Gräwe.

Das auch in die Deutschland bereits erprobte Gutscheinmodell könne helfen, dass die Frauen länger und früher in den Beruf zurückkehren. Dazu sei es wichtig, dass auch Familien mit mittleren und geringeren Einkommen profitieren und die Gutscheine bei zertifizierten Unternehmen eingereicht werden. Der aktuell grau-schwarz-melierte Arbeitsmarkt führe nicht weiter. „Wir brauchen nicht nur High-Tech, sondern auch High-Touch!“ Meier-Gräwe forderte ein Ende der „verbalen Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre in der Politik“.

Moderiert wurde die Tagung von Ute Krützmann, Videobotschaften kamen von der niedersächsischen Sozialministerin Daniela Behrens und der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast sowie von Sigried Boldajipor, Präsidentin des Deutschen Hauswirtschaftsrats e. V.

 

Weitere Beiträge

Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Immer wieder wünschen Sie sich, liebe rhw-Leserinnen, Erweiterungen oder die Originaltabellen aus den rhw-Artikeln. Diesem Wunsch kommen wir nun nach mit unserem "rhw-Werkzeugkoffer". Im rhw-Werkzeugkoffer befinden sich...

mehr lesen
Aus Altbrot wird Schnaps in Friedrichshafen

Aus Altbrot wird Schnaps in Friedrichshafen

Aus Altbrot wird Schnaps mit Bioethanol aus der Bäckerei. Und das ist der Grund: Rund 600.000 Tonnen Altbackwaren fallen jedes Jahr in Deutschland an. Diese können dann nicht mehr als Lebensmittel genutzt werden. Ein...

mehr lesen