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Ein Infekt kann zum Tod führen

In inklusiven Kitas werden aufgrund der besonderen Bedürfnisse der dort betreuten Kinder größere Herausforderungen an die Hygiene gestellt. Die inklusive und heilpädagogische Kindertagesstätte Heidepänz in Troisdorf hat hier Vorbildcharakter – sowohl hinsichtlich der Betreuung als auch die Hygiene betreffend.

In der Kita Heidepänz werden 81 Kinder betreut, darunter 35 mit ganz unterschiedlichem Förderbedarf. „Wir haben noch nie ein Kind aufgrund seiner Behinderung oder Erkrankung abgelehnt“, sagt Kita-Leiterin Josefine Berger. „Wir haben viel Erfahrung und sehr gutes Stammpersonal, daher trauen wir uns vielleicht eher etwas zu als andere Einrichtungen.“ So werden in der Kita beispielsweise auch Koma-Patienten betreut, die von einer persönlichen Krankenschwester begleitet werden. Es gibt Kinder mit schwersten Krampfanfällen, mit Atemaussetzern, Autismusspektrumsstörungen, Kinder mit Down-Syndrom oder auch sinnesgeschädigte Kinder.

Nicht immer ist bei den schwerst mehrfachbehinderten Kindern eine eigene Krankenschwester nötig. Die Eltern können auch einen Antrag auf einen Integrationsassistenten stellen. „Dies sind in der Regel keine Fachkräfte, sondern wir leiten die Assistenten an und vermitteln ihnen, wo das Kinder unterstützt werden muss“, erklärt die Kita-Leiterin.

Integrativ oder inklusiv?

Grundsätzlich geht es in der inklusiven Einrichtung immer um Teilhabe. „Die Integrationsassistenten ermöglichen, dass das Kind wie andere Kinder auch am Gruppengeschehen teilnehmen kann. Zwei Erzieher pro Gruppe würden dafür nicht ausreichen. „Inklusiv“ sei heute das politisch korrekte Wort, meint Josefine Berger. „Wir hießen früher integrativ, haben aber immer schon inklusiv gearbeitet, haben also ein Kind nie ausgegrenzt oder anders behandelt.“
Der pädagogische Ansatz der Kita richtet sich nach den Überzeugungen von Maria Montessori. Sie entwickelte ein Erziehungsmodell, das jedem Kind die Chance gibt, sich in seiner Einmaligkeit und ohne schädlichen Leistungsdruck zu entwickeln.

Die komplette Therapie für die Kinder findet in der Kita statt, der Träger hat hierzu eine Kassenzulassung bekommen. Eine Besonderheit ist das interdisziplinäre Team: So finden sich neben Erziehern auch Heilpädagogen, Ergo-, Sprach- oder Physiotherapeuten unter den fest angestellten Mitarbeitern. „Wir sind ein ganz normaler Kita-Betrieb, aber mit streng geplantem Therapieplan“, erklärt Josefine Berger. Für die Kinder ohne Förderbedarf ist es ganz normal, wenn ein Kind zwischendurch zur Therapie muss, manchmal wird es auch von einem Freund begleitet. „Früher hat man gesagt, das Kind wird ausgesondert, wenn es zur Therapie geht. Aber das ist ja unsinnig, das Kind hat meist sowieso eine Sonderstellung, weil es vielleicht im Rollstuhl sitzt. Wir machen keinen Unterschied, ob nun ein Kind schwere Krampfanfälle hat oder laktosefreie Milch braucht. Alles ist für uns ganz normal, die Kinder kennen das.“

Essen ist eine individuelle Angelegenheit

Für die Zubereitung des Mittagessens sind in der Kita eine Köchin (gelernte Hauswirtschafterin) sowie eine Küchenhilfe zuständig. Für Säuglinge, Kleinkinder und Kindergartenkinder gibt es jeweils eigene, angepasste Ernährungspläne. Es werden viele verschiedene Kostformen angeboten. Kinder, die Probleme mit der Nahrungsaufnahme haben, etwa aufgrund von Trinkschwäche, Sondenernährung oder Lebensmittelunverträglichkeiten, werden beim Essen und Trinken therapeutisch unterstützt und die Nahrung wird entsprechend zubereitet (beispielsweise püriert).
Bei Kindern mit schwersten Krampfanfällen gehört die ketogene Ernährung, eine extrem fettreiche und kohlenhydratarme Ernährungsweise zur Therapie und kann helfen, die Anfälle zu mindern. Dies wird mit den Eltern und Ärzten abgesprochen.

Bei Kindern, die über eine Magensonde (PEG) ernährt werden, schicken die Eltern das Essen mit. Dies befindet sich dann in einem speziellen Behälter und wird von Betreuern über einen Schlauch in den Magen gedrückt. „Das ist für unsere Kinder normal, dass diese Kinder so essen und eben nicht über den Mund, das integrieren wir in den Alltag und machen kein Gedöns darum“, erklärt die Kita-Leiterin.

Die Kinder benutzen beim Essen immer ein Stoff-Tischset, sowohl aus hygienischen als auch aus pädagogischen Gründen. Viel Wert wird auf das gemeinschaftliche Kochen und Backen mit den Kindern gelegt. So gibt es in jeder Gruppe eine komplett eingerichtete Küche mit Herd, Backofen und Mikrowelle. Als das Haus vor drei Jahren bezogen wurde, war dem Kita-Team sehr wichtig, dass es in jeder Gruppe eine funktionierende Küche gibt. Der Architekt wunderte sich, dass in jedem Gruppenraum Starkstrom verlegt werden musste.

Jeweils an einem Tag in der Woche kochen die Erzieherinnen mit den Kindern in der eigenen Gruppe. Dann dürfen sich die Kinder etwas wünschen, denn auf Selbstbestimmung wird großer Wert gelegt. Die Kinder müssen sich die Hände vor dem Kochen nicht desinfizieren, sollten diese aber waschen.

Alexandra Höß

Mehr zum Thema lesen Sie in rhw management 4/2017

Foto: Kita Heidepänz

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