rhw-jubilaum

Die letzten Wünsche stehen an erster Stelle

Hauswirtschafterin Martina Fricker arbeitet seit zwei Jahren als Hauswirtschafterin im Hospiz Esslingen. Für viele kaum vorstellbar: Ihr Alltag ist trotz der ständigen Konfrontation mit dem Thema Tod von Fröhlichkeit und Freude geprägt.

Heute brennt die Kerze in dem großen Windlicht nicht. Sie wird nur angezündet, wenn einer der Gäste für immer einschläft. Und erst wieder gelöscht, wenn die sterbliche Hülle desjenigen das Hospiz verlässt. Das kann schon einige Tage dauern. „Abschied nehmen zu können, ist etwas sehr kostbares. Nicht alle Angehörigen möchten das, aber wir machen das Angebot“, erzählt Martina Fricker.

Seit zwei Jahren arbeitet sie als Hauswirtschafterin im Hospiz Esslingen, seit zwei Jahren gehört der Tod zu ihrem Alltag. Doch wer sich die Einrichtung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde als einen düsteren Ort vorstellt, liegt weit daneben. Hell und freundlich sind das umgebaute ehemalige Pfarrhaus sowie der Anbau gestaltet, viel Holz und große bunte Bilder tragen zu einer warmen Atmosphäre bei. Eine besondere Ruhe liegt in der Luft, kaum vergleichbar mit der manchmal hektischen Betriebsamkeit in einem Krankenhaus oder Pflegeheim.

Acht Plätze stehen im Hospiz Esslingen zur Verfügung, eigentlich sind alle durchgehend belegt. Durchschnittlich 17 Tage bleibt jeder Gast. „Manche sterben noch an dem Tag, an dem sie ihr Zimmer beziehen. Wir hatten aber auch schon einmal einen Herren, der Monate lang hier gelebt hat“, erzählt Martina Fricker.

Auch an diesem Tag sind alle Zimmer belegt, die meisten Bewohner bleiben hinter ihren Türen. Ein Gast wird im Rollstuhl zum Aufzug gefahren – er möchte an der frischen Luft eine Zigarette rauchen. Warum auch nicht: Wer hierher kommt, weiß, dass er nicht mehr gesund wird. Die letzten Tage oder Wochen sollen den Gästen so angenehm wie möglich gemacht werden. Das beginnt damit, dass ein Ärzteteam und das Pflegepersonal medizinisch dafür sorgen, dass ihre körperlichen Beschwerden gelindert werden. Und es hat viel damit zu tun, was Martina Fricker für sie tun kann.

Schon lange von einer Stelle im Hospiz geträumt
Die gebürtige Allgäuerin hat schon viele Jahre von einer Stelle in einem Hospiz geträumt – seit sie während der Ausbildung das damals gerade frisch eröffnete Hospiz in Lindau am Bodensee besucht hatte: „Das war so eine tolle Atmosphäre und eine ganz andere Arbeit – das ist mir nie aus dem Kopf gegangen“, erzählt die 43-Jährige, die sowohl gelernte Hauswirtschafterin wie auch Altenpflegerin ist.
Lange Jahre hat sie im Altenheim, in einem ambulanten Pflegedienst und schließlich in einem Privathaushalt gearbeitet. Dort war sie für den Haushalt und die Betreuung eines an Demenz erkrankten Mannes zuständig. In dieser Zeit entdeckte sie in der Zeitung, dass in Esslingen ein Hospiz eröffnet werden würde. „Ich habe mich sofort für die Hauswirtschaft beworben und die Stelle auch bekommen“, erzählt sie.

Zusammen mit einer Kollegin ist sie verantwortlich für alles, was mit Reinigung, Wäsche, Dekoration oder Essen zu tun hat. In vielen Bereichen unterscheidet sich die Arbeit kaum von der Hauswirtschaft in anderen Einrichtungen: „Wir müssen die gleichen Hygienestandards einhalten wie etwa Pflegeheime“, berichtet sie. So hat beispielsweise jeder der 20 Mitarbeiter (fast alle sind Teilzeitkräfte) im Umkleideraum einen Fundus an Kleidungsstücken, die er ausschließlich im Hospiz trägt und die im Haus gewaschen werden. Im Übrigen wird alle Wäsche direkt im Haus gereinigt – nur die eigene Kleidung der Gäste müssen die Angehörigen daheim waschen.
Isabelle Butschek

www.hospiz-esslingen.de

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 5/2016

Foto: Hospiz Esslingen

Weitere Beiträge

Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Neu: Der „rhw-Werkzeugkoffer“

Immer wieder wünschen Sie sich, liebe rhw-Leserinnen, Erweiterungen oder die Originaltabellen aus den rhw-Artikeln. Diesem Wunsch kommen wir nun nach mit unserem "rhw-Werkzeugkoffer". Im rhw-Werkzeugkoffer befinden sich...

mehr lesen
Programm zur dgh-Jahrestagung 2024 steht

Programm zur dgh-Jahrestagung 2024 steht

Der Beirat "Lebenslanges Lernen Hauswirtschaft" der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V. (dgh) hat jetzt das Programm zur dgh-Jahrestagung vom 25. bis 27. September 2024 veröffentlicht. Das Tagungsmotto lautet...

mehr lesen
Aktionswoche der Hauswirtschaft

Aktionswoche der Hauswirtschaft

Bei der Aktionswoche der Hauswirtschaft vom 10. bis 14. Juni 2024 ist unter dem Motto "Hauswirtschaft – wir streiken nicht - wir halten den Laden am Laufen" in über 160 Einrichtungen und Diensten geplant. Mit ganz...

mehr lesen
Schutzausrüstung bei der Krankenhausreinigung

Schutzausrüstung bei der Krankenhausreinigung

Reinigungskräfte spielen für die Aufrechterhaltung einer sauberen und hygienischen Umgebung eine entscheidende Rolle im Krankenhaus. Dazu gehört auch die passende Persönliche Schutzausrüstung (PSA) bei der Krankenhausreinigung....

mehr lesen