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Altenheim: „Gewalt gegen Bewohner gehört zum Alltag“

31.08.23

Bewohner und Bewohnerinnen in Pflegeheimen werden häufig Opfer von Gewalt – das zeigen viele Studien. Dieses Tabu-Thema betrifft nicht nur die Pflege, sondern auch die Hauswirtschaft. rhw management befragte dazu den Pflegewissenschaftler Siegfried Huhn aus Brandenburg.

Wie groß schätzen Sie das Problem von Gewalt gegen Bewohnerinnen im Pflegeheim ein?

Aus meiner Sicht gehört Gewalt gegen Bewohner zum Alltag. Das bestätigen auch gut angelegte Studien. Die Wahrscheinlichkeit, dass man Gewalt in Altenpflegeheimen erlebt, liegt bei über 70 Prozent. Oft denken Heimleitungen, so etwas passiert in meinem Haus nicht, und das ist der größte Fehler. Ich habe schon Pflegedienstleitungen sagen hören, für meine Mitarbeiterinnen lege ich die Hand ins Feuer. Darauf sage ich immer: Haben Sie die Nummer der Brandmeldezentrale parat? Man muss es ganz nüchtern sehen: die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Gewalt in Heimen kommt, ist einfach sehr hoch.

Welche verschiedenen Formen von Gewalt lassen sich unterscheiden?

Ich unterscheide Grenzverletzungen, Misshandlung und Vernachlässigung. Unter Grenzverletzungen sind scheinbar harmlose Ereignisse gemeint: die Bewohnerinnen werden geduzt oder beschämt, mit Spitznamen betitelt oder es wird in Babysprache gesprochen. Grenzverletzungen sind psychische Gewalt. Aber auch unnötig lange Wartezeiten auf der Toilette etc. gehören dazu.

Misshandlung bezieht sich stärker auf körperliche Aspekte. Rücksichtsloses, schmerzhaftes Pflegehandeln oder auch sexualisierte Gewalt fallen darunter. Vernachlässigung bedeutet insbesondere, den Bewohnern nicht die Versorgung zukommen zu lassen, die adäquat und möglich wäre. Dazu gehört zum Beispiel kein Wechsel von Inkontinenzmaterial oder Bettwäsche bei Verschmutzung oder keine angemessene Getränkeversorgung.

Spielt in Sachen Gewalt auch eine Rolle, dass die Menschen, die heute ins Pflegeheim kommen, immer älter, pflegebedürftiger und von Demenz betroffen sind und die Arbeit für die Mitarbeitenden dadurch herausfordernder wird?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben auch Bereiche in Pflegeheimen, die gut aufgestellt sind und da kommt es trotzdem zu Gewalt. Bei Misshandlungen ist es schon eindeutig, dass je weniger selbstpflegefähig ein Bewohner ist, desto häufiger wird er Opfer von Gewalt. Bei der demenzkranken Frau zum Beispiel geht man davon aus, dass sie sich sowieso nicht mehr äußern kann. Und dann ist die Kontrolle nicht mehr gegeben. Aber klassische Grenzüberschreitungen, die gibt es überall.

Und der gegenwärtige Personalnotstand in den Heimen, führt der vielleicht zu mehr Gewaltvorfällen?

Nein, auch die häufig zitierte Arbeitsüberlastung ist nicht das Problem. Vor 40 Jahren gab es fast paradiesische Zustände in der Pflege mit ausreichend Personal und trotzdem gab es Gewalt. (…)

Interview: Alexandra Höß

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen rhw management-Ausgabe 9/2023.

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